Capoeira

Capoeira

Diese auch manchmal an den Stränden Brasiliens aufgeführten Einlagen der Körperbeherrschung sind in einer finsteren, aber auf dem ganzen Globus existenten, Geschichte des Landes – während der Sklaverei – entstanden. Dabei liegt das Geheimnis in den vorgeführten Übungen. Im eigentlichen Sinn waren die Schritte und Bewegungen nämlich als Kampfkunst anzusehen. Da die Sklaven jedoch erst einmal kein Recht auf eine Verteidigung hatten und die Besitzer dies natürlich nicht sehen wollten, umhüllten die Leibeigenen ihre Kampfbewegungen mit rhythmischen Inszenierungen. Dabei blieb dem Sklavenbesitzer meist verborgen, dass es sich eigentlich um Schlag- oder Tritttechniken handelte. Capoeira ist aber mehr als nur ein Tanz.

Mit ihm wird eine Art Lebensgefühl ausgedrückt. So liegt dieser Aufführung eine Basis aus drei Säulen zugrunde. Die erste Einheit dieser Darstellung ist natürlich der Kampf an sich. Dieser wird durch die Rhythmik, die umrahmende Musik erweitert und gipfelt, um die spirituelle Verbundenheit gänzlich zu spüren, im Kreis der Beteiligten. Bei der Darbietung zeichnet sich der Capoeirista durch eine sehr flexible Körperbeherrschung aus, die er in wendigen Bewegungen und gedrehten Sprüngen zum Besten gibt. Begleitet wird die Musik meist noch von gesungenen Liedern, die schon während der Sklaverei ertönten. In dem gewissen Roda, dem Kreis, wird das Duell von zwei Capoeirista auf sehr schwungvolle und archaische Weise vollzogen, wobei der Kreis als Rahmen des Spielfeldes selbst noch variiert und bewegt werden kann, sodass der Anspruch um ein weiteres Glied erhöht werden kann.

Da die Sklaverei offiziell in Brasilien verboten ist, werden die Kampftänze mittlerweile in Schulen gelehrt – auch um eine weitere Tradition aufrecht zu erhalten. Dann wird der Schwerpunkt auf Stil und Ausführung gelegt. Aber bei allen Ausführungen darf die Malicia, als Bösartigkeit verschriene und dennoch als Kriegslist umschriebene Seele des Capoeira nie verloren gehen. So können in Aufeinanderreihungen Radschläge ohne Hände, Hocken oder Beinscheren der Anfang von einem zum Ende führenden Drehschlag oder Halbmondzirkel eingesetzt werden.

Der feine Unterschied beim Capoeira

Im Capoeira gibt es zwei grundsätzliche Richtungen. Dies ist zum einen der traditionelle Weg des Capoeira Angola, der klassischen Form des Kampftanzes. Auf der anderen Seite existiert ein Stil namens Capoeira Regional, bei dem die traditionellen Elemente mit anderen Kampfstilen oder regionalen Bewegungen verknüpft worden sind. So kann es sein, dass man in dieser relativ neuen Variante auch Züge des Jiu Jitsu oder des Ringens erkennt. Mit solchen Erweiterungen wird natürlich die Flexibilität in Bezug auf die Ausführung und die Vielfältigkeit offen gehalten, wobei sich das alte Capoeira an seinen soliden Bestandteilen festhält.

Generell lässt sich sagen, dass die bodennahen Vorführungen aus dem traditionellen Kampftanz herrühren, während die Salti und Sprünge neue Elemente aufzeigen. Aber selbst dies ist mittlerweile schon wieder im Wandel, da dem Capoeira immer mehr Elemente anderer Kampftechniken beigefügt werden. Um diese verschiedenen, neu entstehenden Richtungen zu klassifizieren, ist der Begriff des Capoeira Contemporanea eine mitunter verbreitete Beschreibung des neuen Stils. Und natürlich sind Wettbewerbe in diesen Stilen schon lange an der Tagesordnung. Aber solange die Regeln des Kreisduells beachtet und sich am Ende die Hände gereicht werden, ist es halb so schlimm, wie es klingt.

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